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Dollarspot - Wissenswertes über eine Rasenkrankheit.

Dollarspot ist eine durch den bodenbürtigen Pilz Rutstroemia floccosa (alter Name: Scleritinia homoeocarpa) hervorgerufene Krankheit an Rasengräsern. Ihr Erscheinen ist während der gesamten Wachstumsphase, also von April bis Oktober, möglich. Hoe Tagestemperaturen um 30 Grad Celsius, kühle Nächte, hohe Luftfeuchtigkeit oder anhaltende Nässe durch Regen begünstigen die Krankheit. Schwere Schädigungen an der Rasennarbe treten bei Temperaturen zwischen 23 und 30 Grad Celsius auf. Bei diesen Temperaturen kann der Pilz einen für die Pflanze tödlichen Giftstoff produzieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krankheiten verbreitet sich Dollarspot über den Mycel, befallene Pflanzenteile oder Mycelzellen, die sich in einem Ruhestadium befinden, nicht über Sporen. Das aktive Pilzmycel dringt durch Blattöffnungen (Stomata) und Verletzungen in die Graspflanze ein. Befallen werden alle Rasengräser, wobei die Schäden an Jähriger Rispe und Flechtstraußgras besonder stark ausfallen.  Bei entsprechenden Bedingungen kann der Pilz innerhalb eines Tages erhebliche Schäden anrichten. Die auf der Anlage in Baden-Baden entstandenen Schäden sind an zwei Tagen Mitte und Ende August entstanden.

Wieso kommt es zur Erkrankung?

Zunächst müssen drei Dinge zusammentreffen: Krankheitserreger, Wirtspflanze und Umweltbedingungen. Die ersten beiden ersten Faktoren sind immer vorhanden! Die Umweltbedingungen verändern sich ständig und können durch Pflegemaßnahmen teilweise verändert werden. Temperaturen und natürliche Niederschläge sind gegeben. Luftzirkulation und Lichtgenuss können zumeist verbessert werden. Die meisten Pflegemaßnahmen zielen aber auf die Bodenverhältnisse und die Narbenzusammensetzung ab. Als Befall fördernd gelten Bodennässe, langanhaltende Feuchtigkeit an der Oberfläche (auch Tau und Guttationsflüssigkeit), ausgetrocknete Böden bei hoher Luftfeuchtigkeit, Nährstoffmangel, Überdüngung, Bodenverdichtungen, zu hohe Narbendichte, jede Form der Pflanzenverletzung (auch durch Pflegemaßnahmen), Artenzusammensetzung der Grasnarbe. Diese Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander. Was das eine verbessert, verschlechtert mitunter das andere. In der Literatur wird auf besonders starke Epidemien in Beregnungsjahren hingewiesen.
Wenn die Pflanze infiziert ist, kann eine mehr oder weniger lange Phase der Inkubation folgen, ohne dass Schäden sichtbar werden. Wenn die Schäden sichtbar werden und die Reproduktion des Pilzes einsetzt, sind die befallenen Pflanzen in der Regel nicht mehr zu retten.

Der konkrete Fall in diesem Jahr.

Über die Hitzeperiode im Juli bis in den August hinein war auf den Grüns nur sehr vereinzelt Dollarspot sichtbar aufgetreten. Am stärksten war der Erstbefall im hinteren Drittel von Grün 16 und im vorderen Drittel von Grün 15. Nachdem in der Pflegewoche die Grüns liegenbleiben mussten (Ligaspiel am Wochenende), wurde die geplante Nachsaat um 14 Tage verschoben - keine großen Turniere und noch rechtzeitig vor dem Clubmeisterschaften. In der Nacht von Sonntag auf den "Aerifiziermontag" fielen während eines Gewitters 43,5mm Niederschlag. Da die Grüns augenscheinlich das Wasser gut aufgenommen hatten, wurden alle Arbeiten wie geplant durchgeführt: Aerifizieren mit 6mm Hohlspoons, Vertikutieren um die sehr dichten Bestände etwas auszudünnen, 1,5mm Sand streuen und die Nachsaat (10g/qm Rotschwingel und Rotes Straußgras) ausgebracht. In der folgenden Nacht wurde beregnet um Sand und Saat einzuspülen. Die Pflanzen waren entsprechend verletzt und einem hohen Stress ausgesetzt. Am darauf folgenden Wochenende war es zwei Tage lang sehr feucht und regnerisch, am Montag in der Früh waren fast alle Grüns flächendeckend mit Dollarspot befallen.
Der zweite Krankheitsschub erfolgte am Clubmeisterschaft Wochenende. Auch in diesem Fall war es ein regnerischer Freitag, der zu einer mehr als 24-stündigen Durchfeuchtung der Oberflächen führte. Hinzu kam tägliches Mähen, sodass der Pilz erneut ideale Bedingungen für eine Ausbreitung vorfand.
Die stärksten Schädigungen zeigten sich dabei in den ehemaligen "Triplexringen", das sind die Abschlussrunden, die mit der Mähmaschine gefahren werden und stärkere Verdichtungen im Unterboden aufweisen. Und überall dort, wo Wasser zusammenfließen kann, also in den Senken. Dies zeigt eine weitere Schwachstelle im Pflegesystem auf. Die Beregnungsanlage wird immer unterschiedliche Wassermengen ausbringen. Die Überlappung der Wurfkreise ist immer zwei, drei oder sogar vierfach. Tief- und Sattelpunkte sind meist mittig in den Grüns. Eine automatische Abschaltung der Beregnung während einsetzenden Regens ist derzeit nicht möglich.

Gegenmaßnahmen
Langfristig müssen sämtliche Verdichtungen in den Grüns beseitigt werden. Dies gilt insbesondere für die immer noch vorhandenen Sperrschichten, die durch das Belegen mit Soden vor 15-18 Jahren entstanden sind. Ebenso muss die Oberfläche besser durchlüftet werden, um eine schnelle Einsickerung von Wasser zu gewährleisten. Damit der vertikale Wasserfluss erhalten bleibt, sollten Löcher so gut als möglich mit geeignetem Sand verfüllt werden. Extrem hohe Narbendichten müssen verhindert werden. Das "Anzapfen" der Nährstoffreserven im Unterboden regt natürlich das Wachstum an. Diese Nährstoffe müssen entfernt werden. Sie sind die Folge jahrelanger Düngung und einer Anhäufung in der Sperrschicht durch die ehemaligen Soden. Die besonder anfälligen, weil auch sehr dichtnarbigen Gräser müssen weiter verdrängt und durch geeignete Gräser ersetzt werden. Die hohe Närstofffreisetzung im Unterboden erschwert dieses Unterfangen! Pflege muss unabhängiger vom Turnierplan möglich sein und sich an optimalen Witterungs- und Wachstumsverhältnissen orientieren.

Chemischer Pflanzenschutz
In der Fachliteratur wird auf ein umfangreiches Spritzprogramm gegen Dollarspot mit hoch wirksamen Pflanzenschutzmitteln verwiesen. Dieses Programm beginnt zu Vergetationsbeginn und endet im Oktober. Das ist in Mitteleuropa nicht möglich. Uns stehen nur wenige Mittel mit teilweise eingeschränkter Wirkung zur Verfügung. Ein sicherer Schutz über die gesamte Vegetationszeit ist nicht möglich, der effektive Schutz durch eine Behandlung beträgt maximal 14 Tage, bei starkem Wachstum oder starken Niederschlägen noch weniger. Zwei der vier zugelassenen Spritzmittel hatten in Vorjahren keinerlei Wirkung und nur eines der verbleibenden Mittel bietet guten Schutz. Es ist gleichzeitig das einzige vernünftige Mittel gegen Schneeschimmel.

Fazit
Um langfristig der Entwicklung beim Klima und der Pflanzenschutzgesetzgebung gerecht zu werden, muss das Problem grundsätzlich beseitigt werden. Das bedeutet Verbesserung der Wachstumsbedingungen: mehr Licht, mehr Luft, Aufbrechen von Verdichtungen, konsequentes Umsetzen von Pflegeplänen in Abhängigkeit vom Witterungsverlauf. An kritischen Tagen darf nicht gepflegt werden!
Eine Verbesserung der kleinklimatischen Verhältnisse um die Grüns erachte ich als notwendig. Die Pflege der Grüns ist wieder zu intensivieren - regelmäßiges Belüften der Oberfläche ist genauso wichtig wie drei- bis viermal tiefenlockern während der Saison! Freiräume im Turnierplan könnten dabei unterstützend wirken. Die konsequente Umstellung auf andere Gräser ist fortzusetzen. Wo möglich, sollten die kleinen Grüns durch Ausmähen weiter vergrößert werden. Das regelmäßige Besanden der Umfelder erhöht die Belastbarkeit und damit auch die Gesundheit der Gräser nahe den Grüns.                
     

Warum Greenkeeper sanden!

Hier spielt man mehr auf Sand als auf Rasen! Der ganze Platz ist ein Bunker!
Solche, oder ähnliche Bemerkungen werden uns Greenkeepern ständig zugetragen.Wieso streuen Platzpfleger ständig Sand auf Grüns, Abschläge oder Spielbahnen?

In wenigen Worten lautet die Antwort: Sand macht eben, tragfähig, und durchlässig!

Wenn der Sand nach dem Streuen getrocknet ist, lässt er sich mit einer Matte oder einem Besen leicht in die Grasnarbe einkehren. Bei regelmäßiger Anwendung füllen sich kleinere Unebenheiten auf, die Oberfläche wird glatter und das Grün treuer. Genso wichtig ist die Erhaltung oder Verbesserung der Durchlässigkeit. Durch Wachstum entstehen auch organische Abfälle, Reste von Blättern und Wurzeln. Diese können sehr viel Wasser binden, ohne es abzuführen. Gleichzeitig verstopfen sie wasserführende Poren. Wenn diese Schicht stärker wird, spricht man von Rasenfilz. Dieser lässt sich durch Sand locker und offenporig halten, sodass überschüssiges Wasser abfließen kann. Dadurch finden die Bodenmikroorganismen bessere Lebensbedingungen vor und können organische Substanz abbauen und Nährstoffe für das Pflanzenwachstum freisetzen. Der bessere Wasserabfluss und die dadurch erhöhte Stabilität der Spielflächen zeigen sich besonders auf den stark belasteten Bereichen der Fairways und in den Annäherungsflächen vor den Grüns. Hier wenden die die Greenkeeper mit den Maschinen und alle Golfer gehen über sie auf das Grün und stellen hier Tasche oder Cart ab. Diese Mehrfachbelastung verdichtet den Boden massiv. Deshalb wird häufiger aerifiziert und besandet. Nur so lassen sich stabile Verhältnisse herstellen. Oftmals ist das Grüns durch vorhergehende Belstung so stark geschwächt, dass es kaum in der Lage ist, sich zu regenerieren. Dann erscheinen diese Flächen längere Zeit als sehr sandig. Oftmals dauert es Jahre kontinuierlicher Pflege um die erforderlichen Wachstumsverhältnisse herzustellen. Für alle die es schon vergessen haben: es ist noch keine 15 Jahre her, da war der Platz nach 15mm Niederschlag nicht mehr bespielbar. Heute kann er ohne Probleme ein vielfaches davon aufnehmen - Dank Sand!